5 moments - 5 people: Dr. Florian H. H. Brill

Fünf Fragen zum Thema Händehygiene

Am 05. Mai war der internationale Tag der Händehygiene. Das haben wir zum Anlass genommen und fünf Experten zum Thema interviewt.

Dr. Florian H. H. Brill studierte Mikrobiologie an der Universität Hamburg, promovierte 2011 zum Doktor der Naturwissenschaften und ist nun Geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Brill + Partner GmbH Institut für Hygiene und Mikrobiologie.

Sein Tätigkeitsschwerpunkt liegt in der praktischen Umsetzung der Hygiene in verschiedenen Bereichen, der Untersuchung der mikrobiellen Materialzerstörung sowie der Entwicklung von praxisnahen Methoden, um antimikrobiell wirksame Produkte wie Desinfektionsmittel, Antiseptika, Konservierungsmittel, Wundbehandlungsprodukte, aber auch antimikrobiell ausgerüstete Oberflächen zu prüfen.

 

 

Warum ist Händehygiene im klinischen Umfeld so wichtig?

Etwa 80 – 90 % der im Krankenhaus erworbenen (nosokomialen) Infektionen werden über die Hände übertragen. Wenn die Händehygiene korrekt durchgeführt wird nach den 5 Momenten der Händehygiene, reduziert sich das Infektionsrisiko in Gesundheitseinrichtungen deutlich.

Händehygiene ist allerdings nicht nur im Krankenhaus wichtig, im Moment erleben wir, dass sie eine entscheidende Rolle bei der Kontrolle der SARS-CoV-2-Pandemie spielt. Daher unterstützen wir die lokale Produktion von Händedesinfektionsmittel im Entwicklungsland Malawi in Afrika.

Außerdem haben wir am 4. und 5 Mai ein Pilotprojekt in einer Hamburger Grundschule durchgeführt und Schülern der 4. Klasse theoretische und praktische Kenntnisse in der Händehygiene vermittelt.

Das Thema Händehygiene ist in der Gesellschaft angekommen. Dies ist eine Chance, auch die Übertragungsrate anderer Infektionskrankheiten z.B. der Grippe oder von Durchfallerkrankungen zu reduzieren.

 

 

Wie viel Desinfektionsmittel benötigt man für eine effektive Händedesinfektion? Wie lange dauert diese?

Im klinischen Umfeld sollte die Aufwandmenge bei 3 – 4 ml liegen und die Maßnahme 30 Sekunden durchgeführt werden.

 

 

Wie unterscheidet sich die Wirkung von alkoholischen Händedesinfektionsmitteln gegenüber antimikrobieller Handseife?

Ein alkoholisches Händedesinfektionsmittel erzielt eine signifikant höhere Reduktionsrate. Sie liegt 10 – 100-mal höher als bei antimikrobieller Waschlotion.

Dazu ist die Anwendung eines alkoholischen Händedesinfektionsmittels einfacher als einer Waschlotion, weil kein Waschbecken und kein Handtuchpapier benötigt wird. Auch die Hautverträglichkeit von einem alkoholischen Händedesinfektionsmittel ist in der Regel überlegen.

 

 

Gibt es Krankheitserreger, die man mit alkoholischen Händedesinfektionsmitteln nicht abtöten kann?

Alkoholische Händedesinfektionsmittel sind z.B. nicht wirksam gegenüber Bakteriensporen. Diese Dauerformen von Bakterien sind sehr widerstandsfähig.

Klinisch relevant sind in diesem Zusammenhang insbesondere Sporen von Clostridium difficile, die schwere Darmentzündungen hervorrufen können.

 

 

Begrenzt viruzide Desinfektionsmittel inaktivieren nachweislich den Corona Virus. Was bedeutet „begrenzt viruzid“?

In Europa gibt es eine Übereinkunft bei der Wirksamkeitsbewertung von Desinfektionsmitteln. Es werden bestimmte repräsentative Prüforganismen oder -viren ausgewählt und auf Basis einer Prüfung gegen diese Schlussfolgerungen zur Wirksamkeit des Produktes gezogen.

„Begrenzt viruzid“ steht dabei für eine Wirksamkeit gegen behüllte Viren. Zu den Viren, die durch eine „begrenzt viruzide“ Wirksamkeit eingeschlossen sind gehören die Coronaviren, aber auch Influenza-Viren, HIV, Ebolaviren, Hepatitis C, Zikaviren usw. Behüllte Viren sind im Vergleich zu unbehüllten Viren, relativ leicht zu inaktivieren, da sie eine Proteinhülle besitzen, die entscheidend für die Infektiosität der Viren ist. Wenn diese verändert oder zerstört wird, kann der Virus die Wirtszelle nicht mehr infizieren.

Alkohole denaturieren die Proteinhülle der behüllten Viren. Daher sind marktübliche alkoholische Händedesinfektionsmittel, die nach den Standards nach Stand der Technik insbesondere der EN 1500 wirksam geprüft sind, sind in der Regel auch „begrenzt viruzid“. Diese theoretische Annahme ersetzt natürlich eine Wirksamkeitsprüfung z.B. nach DIN EN 14476 nicht.

 

 

Wir danken Dr. Florian H. H. Brill und freuen uns auf die morgige letzte Perspektive.

 

 

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