5 moments - 5 people: Tobias Gebhardt

Fünf Fragen zum Thema Händehygiene

Heute ist der internationale Tag der Händehygiene. Das haben wir zum Anlass genommen und fünf Experten zum Thema interviewt.

Tobias Gebhardt von der GWA Hygiene GmbH hat mit seinem Team ein System entwickelt, welches das medizinische Personal in Krankenhäusern und Pflegeheimen dazu animieren soll, sich regelmäßig die Hände zu desinfizieren.

 

© GWA Hygiene

 

Warum ist Händehygiene im klinischen Umfeld so wichtig?

Untersuchungen zufolge werden bis zu 90% der Keime über Hände übertragen. Wird diese wichtige Maßnahme insbesondere vor Patientenkontakt nicht durchgeführt, steigt das Infektionsrisiko bedeutsam.

 

Wie hoch ist die Compliance in der Händehygiene?

Die Händehygiene-Compliance schwankt natürlich zwischen den Gesundheitseinrichtungen und den Stationen. Auf einer Neonatologie-Station ist sie zum Beispiel deutlich höher. Studien sagen aber, dass nur jede zweite Händedesinfektion tatsächlich durchgeführt wird, demnach sprechen wir von einer 50%igen Compliance.

 

Wie lässt sich diese steigern?

Herkömmliche Maßnahmen sind in der Regel Schulungen für das Klinikpersonal. Dies ist notwendig, weil das Personal sich nicht selten überschätzt beim eigenen Händehygiene-Verhalten. Herausforderung ist allerdings die oft unzureichende Datenbasis und die fehlende direkte Ansprache. Aus diesem Grund erfassen wir mit unserem IoT-System NosoEx das Desinfektionsverhalten nach Berufsgruppen (z.B. Ärzte, Pfleger, Therapeuten) Mithilfe von Sensoren an Desinfektionsmittelspendern und Transpondern an der Kleidung des Personals kann Erfassung erfolgen. Weitere Feedback-Funktionen befinden sich in unserer Produktentwicklung. „Gamification“ lautet hier das Stichwort.

 

 

© GWA Hygiene

 

 

Wie weit sind deutsche Krankenhäuser beim Thema Digitalisierung?

Es gibt viele gute Ansätze, aber aus meiner Sicht steht die deutsche Krankenhauslandschaft bei der Digitalisierung noch am Anfang.  

Technische Insellösungen sind an der Tagesordnung. Die Benutzerfreundlichkeit für das Klinikpersonal muss sich deutlich erhöhen, damit Arbeitsprozesse optimiert werden. Dies ist aus meiner Sicht ein zentraler Baustein, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Das Klinikpersonal braucht digitale Assistenten. NosoEx ist dies für die Krankenhaushygiene.

 

Bringen smarte Lösungen auch ökonomische Vorteile?

Es gibt einige Studien zu den Kosten, die im Zusammenhang mit Krankenhausinfektionen entstehen. Dies bezieht sich beispielsweise auf Isolationszimmer, die nur mit einem infizierten Patienten belegt sind anstatt mit mehreren Patienten. Die Vermeidung von Infektionen bedeutet somit Einsparpotenzial. Ich vergleiche es gern mit dem Brandschutz. Natürlich kostet die Umsetzung von Brandschutz-Maßnahmen Geld. Bricht aber ein Feuer aus und man hat diese Maßnahmen nicht getroffen, wird es meist teurer. Das trifft auch auf die Infektionsprävention zu. Prävention ist besser als Reaktion.

 

Wir danken Tobias Gebhardt und freuen uns auf die nächsten drei Perspektiven.

 

 

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