5 moments - 5 people: Edda Haasler

Fünf Fragen zum Thema Händehygiene

Am 05. Mai ist der internationale Tag der Händehygiene. Das haben wir zum Anlass genommen und fünf Experten zum Thema interviewt.

Edda Haasler, Hygienefachkraft in der Helios Endo-Klinik Hamburg, startet die Woche mit der Krankenhaus-Perspektive.

 

©Maksim Kostenko - stock.adobe.com

 

Warum ist Händehygiene im klinischen Umfeld so wichtig?

Jeder Mensch trägt etwa 2 Kg Mikroorganismen in seinem Körper. Da fast alle Arbeiten am Patienten mit Handkontakt zu tun haben, kann es hier zur Übertragung kommen. Dazu kommt, dass die Haut Bakterien ein ideales Milieu bietet und neben den eigenen Bakterien (residente Hautflora) z.B. bei Kontakt mit Flächen auch vorübergehend weitere Bakterien(transiente Hautflora) aufnimmt. Das alles würde ohne Desinfektion beim Kontakt an den Patienten weitergegeben werden. Für gesunde Menschen ist dies kein Problem, da das Immunsystem gut damit umgehen kann. Für Patienten mit geschwächtem Immunsystem und Vorerkrankungen birgt dies die Gefahr einer zusätzlichen Infektion.

 

Wann ist für Mitarbeitende mit Patientenkontakt Händewaschen, wann Händedesinfektion indiziert?

Händewaschen ist vor Arbeitsantritt, nach Toilettengang und bei Verschmutzung notwendig.

Sonst gelten die 5 Momente der Händedesinfektion:

 

© Hartmann - https://www.hartmann.info/de-de

1. Vor Patientenkontakt
2. Vor aseptischen Tätigkeiten
3. Nach Kontakt mit potentiell infektiösem Material
4. Nach Patientenkontakt
5. Nach Kontakt mit der unmittelbaren Patientenumgebung

 

Bei Bakterien, die Sporen bilden, wie z.B. Clostridium difficile, muss vor der Händedesinfektion noch die Händewaschung erfolgen.

 

Was sind die häufigsten Gründe für das Vernachlässigen der Händehygiene?

Da wir es in der Hygiene ausschließlich mit Mikroorganismen zu tun haben und diese mit dem bloßen Auge nicht sichtbar sind, werden sie schnell vergessen. Was ich nicht sehe ist nicht da! Außerdem erfordert korrekte Händehygiene Zeit. Fehlende Zeit wird häufig als Argument bei unzureichender Desinfektion verwendet. Auch führt mangelndes Bewusstsein zur „Nichtdesinfektion“ von Händen.

 

Wie kann man das Klinikpersonal zu mehr Händehygiene motivieren?

Um die sichere Umsetzung der Händehygiene zu gewährleisten, braucht es Überzeugung! Nur wer die Notwendigkeit einsieht, wird diese auch zuverlässig durchführen. Dazu muss die Hygiene aus der „Langweilerecke“. Durch neue Fortbildungsmethoden wie z.B. Apps oder aktive Übungen, Filme und Veranstaltungen die nicht nur Informationen, sondern auch Spaß vermitteln, wird überhaupt das Interesse geweckt.

 

Welche Rolle spielen Besucher und Patienten?

Auch diese Personengruppen sollte in die Umsetzung von Hygienemaßnahmen eingebunden werden. Jeder kann mit sinnvoller Händedesinfektion, z. B. nach Verlassen des Flures oder beim Betreten des Zimmers zur Vermeidung von Infektionen beitragen. Vor allem Besucher bringen transiente Flora mit.

Zusammen mit der Umsetzung der Behandelnden kann ein Übertragungsrisiko minimiert werden. So bleiben dem Patienten vermeidbare Erkrankungen und den Kliniken unnötige Kosten erspart.

 

Wir danken Edda Haasler und freuen uns auf die nächsten vier Perspektiven.

 

 

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